Die alten Griechen haben uns die Demokratie, die Philosophie und einen Haufen Götter hinterlassen, deren Dramen jede Realityshow alt aussehen lassen. Aber vielleicht wussten sie auch schon das eine oder andere über Pilze und psychedelische Trips.
Vor mehr als 2.000 Jahren nahmen Tausende Menschen an geheimen Ritualen teil, bei denen sie ein mysteriöses Gebräu tranken und Erfahrungen machten, die laut ihren Erzählungen ihr Leben für immer veränderten.
Eine exklusive Privatparty auf dem Olymp? Fast. Wir sprechen von den Mysterien von Eleusis, und einige Wissenschaftler vermuten, dass ein Pilz der heimliche Stargast gewesen sein könnte.
Die Mysterien von Eleusis: Der exklusivste Club Griechenlands
Etwa 20 Kilometer von Athen entfernt lag Eleusis, eines der bedeutendsten religiösen Zentren der antiken griechischen Welt.
Vergiss für einen Moment die wilden Partys des Dionysos. Die Mysterien von Eleusis spielten in einer ganz anderen Liga.
Sie wurden in der Nähe von Athen zu Ehren von Demeter und Persephone gefeiert, zwei Göttinnen, die mit Fruchtbarkeit, Tod und Wiedergeburt verbunden waren.
Ihre Geschichte hatte es ordentlich in sich: Hades entführte Persephone, Demeter rastete völlig aus und die Erde brachte keine Früchte mehr hervor, bis schließlich eine Einigung erzielt wurde.
Die Teilnehmer suchten nach einer spirituellen Erfahrung, die ihre Sicht auf das Leben und das Jenseits verändern konnte.
Die einzige Voraussetzung? Klappe halten.
Den Eingeweihten war strengstens verboten, zu erzählen, was während der Zeremonien geschah.
Keine Instagram-Storys, keine Markierung des Priesters und schon gar keine Videos von der geheimen Party.
Zwischen Fasten, Prozessionen und geheimnisvollen Ritualen tauchte ein ziemlich verdächtiges Element auf: ein Getränk namens Kykeon.
Das Interessante daran ist, dass einige antike Berichte diese Zeremonien als zutiefst transformative Erfahrungen beschreiben.
Und genau hier stellt sich eine Frage, die Forschende schon seit Jahrzehnten beschäftigt: War das alles reine Spiritualität oder hatte auch eine psychoaktive Substanz ihre Finger im Spiel?
Kykeon: Ein heiliges Getränk mit psychedelischer Wirkung?
Zu den faszinierendsten Elementen der Mysterien von Eleusis gehört der Kykeon, ein zeremonielles Getränk, das die Teilnehmer während der Rituale zu sich nahmen.
Das bekannte Rezept für Kykeon bestand aus Wasser, Gerste und Polei-Minze.
Auf den ersten Blick ein ziemlich lahmes Getränk für so viel Geheimniskrämerei.
Ganz ehrlich: Das klingt eher nach einem Kräuterdrink aus dem Reformhaus als nach einem Gebräu, mit dem man plötzlich mit Zeus quatschen könnte.
Doch jetzt kommt unser pilziger Freund ins Spiel: der Mutterkornpilz.
Und nur weil er keinen Hut trägt, heißt das noch lange nicht, dass er langweilig ist.

Einige Forschende vermuten, dass die Gerste mit Mutterkorn (Claviceps purpurea) in Verbindung gestanden haben könnte.
Dabei handelt es sich um einen Pilz, der Getreide befällt und chemische Substanzen mit ziemlich außergewöhnlichen Eigenschaften produziert.
Claviceps purpurea sieht allerdings ganz anders aus als die typischen Magic Mushrooms, die wir alle kennen.
Es handelt sich um einen parasitären Pilz, der auf Getreideähren wächst und dunkle, längliche Strukturen bildet.
Zu seinen Inhaltsstoffen gehören Alkaloide, die chemisch mit der Lysergsäure verwandt sind.
Und ja, diese chemische Familie spielt auch in der Geschichte von LSD eine Rolle.
Das bedeutet natürlich nicht, dass die alten Griechen LSD in einem Tontopf zusammengebraut haben.
Mutterkorn enthält nämlich auch hochgiftige Substanzen, und seine mögliche Verwendung im Kykeon ist bislang nur eine Hypothese.
Aber zugegeben: Jetzt wird die Geschichte richtig spannend.
Die Studie von 2026, die Eleusis wieder ins Rampenlicht brachte
Gerade als es so aussah, als hätten die Griechen ihre Geheimnisse endgültig mit ins Grab genommen, kam die Wissenschaft und steckte ihre Nase in die Angelegenheit.
Eine im Februar 2026 in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigte experimentell, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Mutterkorns mithilfe von Verfahren, die mit antiken Technologien vereinbar sind, in psychoaktive Substanzen wie Ergin oder LSA umgewandelt werden konnten.
Übersetzt in die Smartshop-Sprache: Die Vorstellung, dass die alten Griechen ein psychoaktives Gebräu herstellen konnten, klingt plötzlich gar nicht mehr so abwegig.
Heißt das, dass sie es tatsächlich getan haben? Nein.
Aber wir wissen jetzt, dass es aus chemischer Sicht möglich gewesen wäre.
Und das ist definitiv interessanter als der nächste Ehekrach zwischen Zeus und Hera.
Und was ist mit Magic Mushrooms? Waren die auch eingeladen?
Hier müssen wir kurz etwas klarstellen: Mutterkorn ist kein halluzinogener Pilz wie die Vertreter der Gattung Psilocybe.
Es handelt sich um eine andere Pilzart, deren Wirkstoffe sich deutlich von Psilocybin unterscheiden.
Pilze der Gattung Psilocybe enthalten Psilocybin, einen Stoff, der chemisch ganz anders aufgebaut ist als die Alkaloide des Mutterkorns.
Und falls du noch nicht genau weißt, was halluzinogene Pilze eigentlich sind, erklären wir dir hier, warum im Reich der Pilze viel mehr Chemie steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Kannten die alten Griechen möglicherweise auch andere Pilze mit psychoaktiver Wirkung?
Das ist durchaus möglich. Allerdings gibt es bislang nicht genügend Beweise dafür, dass sie solche Pilze bei den Ritualen von Eleusis verwendeten.
Also bitte noch keine wilden Vorstellungen davon, wie Platon seinen Schülern Magic Mushrooms verteilt.
Warum suchten die alten Griechen nach solchen Erfahrungen?
Sollte eines Tages bestätigt werden, dass Kykeon psychoaktive Substanzen enthielt, hätte ihre Verwendung eine ganz andere Bedeutung gehabt als die, die wir heute mit Psychedelika verbinden.
Die Mysterien von Eleusis waren schließlich keine gewöhnliche Party.
Die Teilnehmer suchten nach etwas viel Tieferem: einer Verbindung zum Göttlichen und einem besseren Verständnis der großen Geheimnisse des Lebens.
Mit den Göttern in Kontakt treten
Für die alten Griechen konnten außergewöhnliche Erfahrungen als Erscheinungen oder Botschaften der Götter verstanden werden.
Einige Forschende vermuten, dass eine psychoaktive Substanz die während der Rituale empfundenen Sinneseindrücke verstärkt haben könnte.
Dabei darf man die Atmosphäre allerdings nicht vergessen: tagelange Vorbereitung, Fasten, geheime Zeremonien, Fackeln und Hunderte Menschen, die denselben Glauben teilten.
All das konnte bereits eine ziemlich intensive Erfahrung hervorrufen, ohne dass auch nur ein einziger Pilz im Cocktail landete.
Die Angst vor dem Tod überwinden
Eines der wichtigsten Ziele der Mysterien von Eleusis war es, den Teilnehmern eine hoffnungsvolle Vorstellung davon zu vermitteln, was nach dem Tod auf sie warten könnte.
Die Eingeweihten nahmen an Zeremonien teil, die mit dem Mythos von Persephone verbunden waren.
Sie stieg in die Unterwelt hinab und kehrte später in die Welt der Lebenden zurück.
Diese Erfahrung symbolisierte die Wiedergeburt und die Möglichkeit, dass die Existenz über den Tod hinaus weitergehen könnte.
Kurz gesagt: Während manche Philosophen stundenlang über den Sinn des Lebens diskutierten, zogen es andere vor, sich in einem Tempel einzuschließen und das Mysterium am eigenen Leib zu erleben.
Jeder hatte eben seine eigene Methode.
Heute wissen wir deutlich mehr darüber, wie bestimmte Substanzen unsere Wahrnehmung verändern können.
So beginnt die Wissenschaft beispielsweise zu erklären, wie Psilocybin im Gehirn wirkt.
Aber werfen wir jetzt bitte nicht alles in einen Topf: Was tatsächlich im Kykeon steckte, wissen wir bis heute nicht.
Von geheimen Ritualen zum Rätsel der Pilze
Mehr als 2.000 Jahre später versuchen wir immer noch herauszufinden, was zum Teufel damals in diesen Tempeln vor sich ging.
Spirituelle Erfahrungen? Zeremonien voller Symbolik? Ein geheimnisvolles Gebräu mit psychedelischen Eigenschaften?
Vielleicht war es eine Mischung aus mehreren Faktoren.
Fest steht: Pilze könnten in der Geschichte eine viel größere Rolle gespielt haben, als wir bisher angenommen haben.
Und dann gibt es tatsächlich immer noch Leute, die glauben, Pilze wären nur als Pizzabelag zu gebrauchen.
